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Jahresthema 2018: EMOTION

Das Jahresthema bildet einen roter Faden durch das Ausstellungsprogramm und erleichtert so den Zugang zu zeitgenössischer Kunst und bietet einen Erkenntnisgewinn durch die konzeptionelle Verbindung der einzelnen Ausstellungen. Eine Auswahl von unterschiedlichen künstlerischen Strategien und Inhalten sowie verschiedenen Kunstmedien sorgen für einen spannenden Überblick.

Emotion


Emotion in der Kunst, ist das nicht selbstverständlich? Kunstwerke erzeugen fast automatisch Gefühle beim Erleben, Betrachten, Hören und mit ihrer Atmosphäre, weil sie über die Erfahrungen der Betrachter wirken, das Subjektive im Menschen ansprechen. Das Jahresthema Emotion stellt Werke vor, die sich im Besonderen und explizit mit Emotionen beschäftigen. Dies kann auf zwei verschiedenen Ebenen geschehen: Indem sie starke emotionale Themen behandeln oder indem sie eine starke emotionale Wirkung hervorrufen.

Emotion als Thema bietet einen inhaltlichem Zugang zur Kunst, ähnlich wie z.B. Identität (2016) und im Gegensatz zu eher formalen Aspekten z.B. der Themen Illusion (2015) oder Sound (2017). Da der Gesichtspunkt zuallererst ein künstlerischer und nicht ein wissenschaftlicher oder psychologischer ist, liegt der Fokus nicht auf den Gefühlen selbst, sondern auf der Vielfalt künstlerischer Ausdruckmöglichkeiten. Die Bewegung der Gefühle ist dabei eines der stärksten Mittel der Beeinflussung – von der Vermittlung einer Erfahrung reicht das Spektrum bis zur Manipulation des Denkens. In der Kunstgeschichte gab es in verschiedenen Epochen eine besondere Behandlung der emotionalen Wirkung, die natürlich auch mit den geistigen und sozialen Entwicklungen in der jeweiligen Zeit im Zusammenstand standen:

Vernunft und Gefühl

Die Gegenüberstellung von Vernunft und Gefühl und die Erforschung ihrer Beziehung zueinander stehen seit der Antike (Aristoteles) im Zentrum der Kunstdeutung. Die Kunstgeschichte kann auch als eine Art Wechselspiel gesehen werden, bei dem einmal der Verstand, ein andermal das Gefühl im Vordergrund steht. Natürlich besitzt jede Epoche einen ihr eigenen emotionalen Charakter, aber in einigen Zeiten tritt er besonders stark in Erscheinung. So z.B. in der religiösen Ekstase des Barocks, in den grünen Berggipfeln und schäumenden Wellen der Landschaftsbilder der Romantik oder den eruptiven Farbausbrüchen des Expressionismus‘. Auch in der abstrakten Malerei gab und gibt es Vertreter des emotionalen Malens, sei es durch die Zurschaustellung von Gesten oder eine exzessive Nutzung von Farben.

Der in der künstlerischen Avantgarde in der 1. Hälfte des 20. Jahrhunderts populär gewordene Begriff des Gesamtkunstwerks reicht bis in den Barock zurück und bekam mit dem Merzbau von Kurt Schwitters ein bekanntes Symbol. Dieses die verschiedenen Künste umfassendem Konzept wurde später in der Medienkunst weitergeführt, in¬dem mithilfe von Technologie alle Sinne gleichzeitig angeprochen werden können. Die Erstellung von umfassenden Atmosphären in der physischen Welt bis zur virtuellen Realität erlaubt die totale emotionale Beeinflussung der Sinnenwahrnehmung. Nicht zufällig spricht man in diesem Zusammenhang auch von "elektronischem Barock".

Emotionen

Es gibt positive und negative, einfache, komplexe und natürlich auch gemischte Gefühle: Liebe, Glück, Sehnsüchte, Träume ‒ Hass, Angst, Schrecken, Traumata ‒ Erinnerung, Nostalgie, Verlust, Unsicherheit ‒ Drama, Pathos, Extase und Katharsis und unendlich viel mehr. Begriffe, die unterschiedliche Qualitäten besitzen, die Zustände beschreiben oder Vorstellungen abbilden. Obwohl die Möglichkeiten unendlich zu sein scheinen, gibt es doch ein mehr oder weniger universell kodiertes Spektrum von zum großen Teil unbewussten emotionalen Wahrnehmungen und Reaktionsmustern des Menschen. Diese werden z.T. durch kulturelle Prägung und die Persönlichkeit des Einzelnen überlagert.

Emotionen können in der Kunst auf die verschiedenste Art ausgedrückt werden, figurativ in Verbindung mit Räumen, Gegenständen oder menschlichen Gestalten ebenso wie abstrakt in bloßen Farben und Formen, narrativ ebenso wie als Atmosphäre. Durch das menschliche Bewusstsein werden die grundlegenden physischen Wahrnehmungen (kalt-heiß, hart-weich, oben-unten, Helligkeit, Farben usw.) oft mit einer emotional Bedeutung aufgeladen. Ebenso dringend ist das Bedürfnis, die Phänomene der Umgebung mit menschlichen Charaktereigenschaften und Gefühlen auszustatten.

Für das Jahresthema 2018 haben wir einige Beispiele in der bildenden Kunst gefunden, die das Thema aus verschiedenen Blickwinkeln und in verschiedenen Kunstsparten und -medien vorstellen.

Körpersprache

Gefühle können mit der Relation des menschlichen Körpers ausgedrückt werden, in Mimik, mit Gesten und Körperhaltung. Dieses Zeichensystem, die Körpersprache, ist eine allgemeine biologisch-psychologische Eigenschaft, die von der Kunst mit ihren eigenen Mitteln genutzt und reflektiert wird. Die Beschreibung dieser die epochenübergreifend gültigen Gestensprache führte den Kunstwissenschaftler Aby Warburg zur Entwicklung der Pathosformel, die der Darstellung von Gefühlsausdrücken durch Gestik und Mimik eine universale Gültigkeit zuordnet. ▶ Gruppenausstellung Sturmhöhen

Farben

Die Bedeutung der Farben als Gefühlsstimulanz wurde schon in Goethes Farbenlehre untersucht und findet in der visuellen Kunst ‒ bewußt und unbewußt - fast immer Anwendung. Besonders in der Malerei, aber auch in Installationen, Filmen und bei Plastiken bestimmt die Farbgebung die emotionale Wirkung der Kunstwerke. Die Wirkung von Farben geht dabei über den Klangwert der einzelnen Farben hinaus, differenzierte Empfindungen werden durch "Farbakkorde" und natürlich durch Form und Umfeld angesprochen. Umgekehrt können natürlich auch den Gefühlen Farben zugeordnet werden, wie im "Rad der Emotionen" des amerikanischen Psychologen Robert Plutchik. ▶ Gruppenausstellung Sturmhöhen, Ausstellung Philipp Geist

Material

Materialien tragen zum Teil sehr komplexe Wirkungsweisen in sich, welche starke Gefühle auslösen können. Glas z.B. übermittelt durch seine Transparenz das Gefühl von Sauberkeit und Ehrlichkeit, seine optischen Eigenschaften vermitteln durch die Anwendung in wissenschaftlichen Geräten wie Mikroskop oder Linsen den Eindruck der Objektivität. Gleichzeitig kann Glas durch seine Brüchigkeit auch Unsicherheit und Angst auslösen, während es durch seinen Glanz, das Brechen des Lichtes und die Reflexion auch einen mystischen, spirituelle Eindruck erweckt. ▶ Gruppenaustellung Fragile!

Objekte

Auch das natürliche Umfeld oder vom Menschen erschaffene Objekte können mit Gefühlen aufgeladen werden. Gegenständen werden magischen Fähigkeiten zugeschrieben, sie bekommen eine Persönlichkeit oder menschliche Eigenschaften, als würden sie zum Leben erweckt werden. Dabei können sie nicht nur Gefühle weitergeben, sondern sogar über einen vermeintlichen eigenen Willen verfügen. ▶ Austellungen Andriy Hir und Stefanie Unruh .

Landschaft

Von den in Landschaften projektzierten Gefühlen zeugt die reiche und immer noch lebendige Tradition des Landschaftsmalerei. Emotionale Bedeutung kommt dabei allen formalen und inhaltlichen Aspekten zu: den Himmelrichtungen, den Tageszeiten, der Vegetation sowie der formalen und farblichen Ausprägung der Landschaft (z.B. Lokalkolorit). Landschaft kann im weiteren Sinne auch ein Innenraum, ein Interieur sein, in dem z.B. durch Licht und Projektionen eine umfassende Raumatmosphäre erzeugt wird. ▶ Ausstellung Philipp Geist

Öffnungszeiten

Ausstellungen
Dienstag - Samstag 13 - 18 Uhr
Sonntag + Feiertag
10 - 19 Uhr
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Jahresthema

In jedem Jahr werden mehrere Ausstellungen durch ein Thema in einen Kontext gestellt. Verschiedene Perspektiven auf ein Thema erleichtern den Zugang und ­steigern Verstehen und Spaß beim Erleben von Kunst.

2018: EMOTION

Emotion als Thema bietet einen inhaltlichem Zugang zur Kunst, ähnlich wie z.B. Identität (2016) und im Gegensatz zu eher formalen Aspekten z.B. der Themen Illusion (2015) oder Sound (2017). Da der Gesichtspunkt zuallererst ein künstlerischer und nicht ein wissenschaftlicher oder psychologischer ist, liegt der Fokus nicht auf den Gefühlen selbst, sondern auf der Vielfalt künstlerischer Ausdruckmöglichkeiten. Die Bewegung der Gefühle ist dabei eines der stärksten Mittel der Beeinflussung – von der Vermittlung einer Erfahrung reicht das Spektrum bis zur Manipulation des Denkens.. > mehr über das Jahresthema Emotion